Vertretungsplan:

Retter der Tafel Runde

Retter Tafelrunde
Retter Tafelrunde

 

Für einige gibt es genau zwei gute Gründe, Lehrer zu werden: Juli und August. "Für Realisten gibt es einige andere, bessere Gründe, Lehrer zu werden:
Die Möglichkeit, mit Schülern zusammenzuarbeiten und im besten Fall seine Begeisterung für sein Fachgebiet an diese weiterzugeben. Die Möglichkeit, junge Menschen in einer ihrer prägendsten Lebensphasen zu begleiten und positiv zu beeinflussen. Die Möglichkeit, eine gewisse Genugtuung zu fühlen, wenn man seinen Job besser macht als der eine oder andere Lehrer in der eigenen Schulzeit. Und schließlich die Möglichkeit, zu beweisen, dass die Koexistenz von Schule und Spaß tatsächlich möglich ist."
Aus genau diesen Gründen versammelten sich neun lehramtsinteressierte Schüler des Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasiums Kamenz am Freitag, dem 13. Oktober 2017, im Sächsischen Kultusministerium in Dresden zur Konferenz der "Retter der Tafel-Runde". Gemeinsam befragten sie vier Experten zum Thema "Lehrer Werden". Dr. Rainer Heinrich, Referatsleiter für Gymnasien und Abendgymnasien, eröffnete die Runde mit einer kurzen Einführungsrede. „Lehrer zu sein, ist eine der schönsten und erfüllendsten Beschäftigungen überhaupt. Allerdings sind weder das Studium noch der spätere Beruf ein Spaziergang." Einige Grundqualifikationen eines Lehrers bestehen aus gutem Zeitmanagement, hoher Belastbarkeit und Flexibilität sowie einem gewissen Kommunikationstalent und im besten Fall noch einer guten Portion Humor. Aber am wichtigsten ist natürlich immer noch die Fähigkeit, andere mit seiner Begeisterung und Motivation für ein bestimmtes Fach anzustecken.
Auch Ariunaa Ishig, Diplompsychologin und Studienberaterin an der Technischen Universität Dresden, betonte die Bedeutung dieser Qualifikation. Auf die Frage, wie denn mit verhaltensauffälligen Schülern umzugehen sei, antwortete sie: „Jeder Schüler hat das Potential, etwas Großes zu leisten. Dieses Potential zu finden, kann bei sogenannten Problemschülern manchmal etwas schwierig sein. Doch wenn Sie es schaffen, ihre Schüler wirklich mitzureißen und ihre Begeisterung weiterzugeben, lässt sich auch das am tiefsten verborgene Potential ans Licht bringen."
Eine weitere Thematik der "Tafel-Runde" war der nötige Abidurchschnitt für ein Lehramtsstudium. Einige der versammelten Schüler machten sich Sorgen, eventuell den erforderlichen Numerus Clausus für ihr jeweiliges Fach nicht bewältigen zu können. Doch hier gibt es gute Nachrichten: Man kann seine Chancen auf einen Studienplatz mit ein paar kleinen Tricks erhöhen. Zum einen gibt es Wartesemester. Je mehr man davon hat, desto wahrscheinlicher ist es, einen Studienplatz zu bekommen. Allerdings muss man dann natürlich eine Weile warten, bis man tatsächlich mit seinem Studium beginnen kann. Seit diesem Jahr macht es eine neue Regelung aber auch möglich, mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) - am besten im Bereich Pädagogik, wenn man ein Lehramtsstudium anstrebt - seine Leistungen aufzubessern.
„Und wie sieht es mit Auslandsaufenthalten während des Studiums aus?", war die nächste Frage an die Experten, die Alexander Bretschneider, Referendar für Deutsch und Latein an der Ausbildungsstätte in Dresden, bereitwillig beantwortete. Er verbrachte ein Semester in Italien und fand es großartig. Auslandssemester sind eine grandiose Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten im jeweiligen Fach zu verbessern und zu erweitern, neue Erfahrungen zu sammeln und Eigenverantwortung zu übernehmen.
Man sollte natürlich nicht völlig in der weiten Welt verlorengehen. Der Lehrermangel in Sachsen, besonders an Grund- und Oberschulen, ist schon lange ein Problem. Zwar bewarben sich dieses Jahr 2168 Abiturienten als Grundschullehrer – allerdings auf nur 150 zu vergebende Studienplätze. Auch mangelt es an Fachlehrern für Fächer wie Biologie, Chemie und Informatik. Außerdem sind in Sachsen mehr als 50 Prozent der Lehrer über 50 Jahre alt. Zwar haben diese Lehrer viel Erfahrung, allerdings haben leider viele im Laufe der Jahre ihre Motivation verloren oder unterrichten mit sehr veralteten Methoden, mit denen viele Schüler nicht wirklich etwas anfangen können. Deshalb werden junge Lehrer dringend als moderner und dynamischer Nachwuchs in Sachsen gebraucht. Frau Ishig appelliert daher an die Schüler: „Machen Sie ein Auslandssemester. Reisen Sie, erweitern Sie ihren Horizont und sammeln Sie neue Erfahrungen. Aber bitte kommen Sie wieder."
Zum Abschluss der "Konferenz der zukünftigen Lehrer" betonte der Initiator der Veranstaltung Volker Neubert, Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte in Kamenz und Fachausbildungsleiter für Deutsch an der Ausbildungsstätte für das Höhere Lehramt an Gymnasien in Dresden, erneut die Bedeutung des Lehrerberufs. Als Lehrer muss man bereit sein, seine sozialen, pädagogischen und psychologischen Kenntnisse ein Leben lang weiterzuentwickeln und zu verbessern. Lehrer sind Zukunftsgestalter, denn sie unterrichten und erziehen diejenigen, die bald für die Zukunft des Landes verantwortlich sein werden. „Lassen Sie uns die sächsische Schule gestalten.", forderte er. „Es lohnt sich, Lehrer zu werden, zu sein und zu bleiben."

Susanna Siwczyk, 12/3, Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasium Kamenz