Vertretungsplan:

Assessment-Center-Probestress für die Elftklässler

 

Fast erwachsen sein ist nicht einfach. Besonders nicht, wenn im Zusammenhang einer Bewerbung plötzlich das Wort „Assessmentcenter“ fällt. Schweißausbrüche, Panikattacken und Nervenzusammenbrüche in vielerlei Variationen können da schon mal vorkommen, deshalb ist ein bisschen Vorbereitung kein Schaden. 

Daher versammelten sich am Morgen des 27.04. und 02.05. jeweils die Hälfte unseres Jahrgangs im Hörsaal. Zur Einstimmung hörten wir von einer ehemaligen Schülerin einen Vortrag über den weniger bekannten Studiengang „Keramik-, Glas-, und Baustofftechnik“, in dem tatsächlich Vor- UND Nachteile präsentiert wurden und an dessen Ende Vorführungsobjekte durch den Saal geschleudert und mit Hämmern belästigt wurden. 

Anschließend folgte der fast zweistündige Einstellungstest – eine Mischung aus Quizduell und Matheklausur. Von den vielen explodierenden Köpfen würden theoretisch nur diejenigen mit 70% richtigen Antworten und aufwärts überhaupt in die nächste Stufe vorrücken, anscheinend herrscht ein Arbeitskräfteüberschuss bei den meisten Firmen. 

Nachdem nun die Köpfe von Kreuzen und Zahlen schwirrten, ging es in Kleingruppen von zehn Mann weiter. Die Gruppenleiter, mit 0% Herrenquote, wiesen uns jeweils in die Segmente des Centers ein, natürlich nach einer mehr oder weniger knappen Biographie. Gemeinsam absolvierten wir die Gruppenaufgabe, durch welche wir lernten, wie überbewertet Essen bei der Navy ist und die Gruppendiskussion, wobei sich nur die Hälfte zum Thema „Todesstrafe“ oder für uns Jugendliche nähere Themen, wie „gewaltverherrlichende Spiele“, „Cannabis“ oder „Schwangerschaftsabbruch“ aussprechen durfte. Der Rest musste wie auch in den folgenden Stationen Sherlock Holmes Konkurrenz machen und ein vorher ausgewähltes Opfer mit scharfem Blick durchlöchern. Die erhaltenen Hinweise waren jedoch geschmackvoll formuliert. 

Im Bewerbungsgespräch und bei der Selbstpräsentation hatten einige Schüler der Gruppe die Möglichkeit, dem eisigen Blick des fiktiven Arbeitgebers standzuhalten. Folgendes sollte mitgenommen werden: Schaue Werbung um zu lernen wie man sich verkauft und übe möglichst oft Handschläge – die sind echt leicht auf peinlichste Art und Weise zu vermasseln.

Generell lässt sich das gesamte Zeitmanagement sehr loben, da die Uhrzeiten auf dem Plan stimmten und auch genügend Zeit zwischen den einzelnen Stufen war. 

Insgesamt lässt sich der Tag jedoch mit den Worten „Mal dran geschnuppert zu haben, schadet wirklich nichts“ zusammenfassen und auch von zukünftigen Elftklässlern nicht als der „Ich-Habe-Leider-Leichten-Schnupfen-Tag“ sondern lieber als „Ich-Bin-Schon-Mal-Durchgeflogen-Zwei-Mal-Passierts-Schon-Nicht-Tag“ genutzt werden.

 

Paula Richter 11/2